Alois Kaufmann über sich
Ich wurde am 6. Mai 1934 in Graz als uneheliches Kind geboren. Meine Mutter gab mich nach meiner Geburt sofort weg.
Von Pflegeplatz zu Pflegeplatz landete ich letztlich in der Kinderübernahmsstelle Lustkandlgasse.
Als sogenanntes schwer erziehbares Kind überstellte man mich zu guter Letzt als "unwertes Leben"auf den "Spiegelgrund" an der Baumgartner Höhe. Dort wurde ich vom Pflegepersonal in der Manier des NS-Regimes behandelt, besser gesagt, misshandelt.
Nach zwei Jahren Martyrium holte mich mein leiblicher Vater ab, weil der Krieg zu Ende war.
In der Nachkriegszeit machte ich eine Lehre in einer Eisenhandlung und war im Anschluss vier Jahre lang in der Sozialversicherung tätig.
Der Kontakt mit Menschen ist mir sehr wichtig und darum gab ich meine Anstellung auf und machte mich selbständig. Kurz darauf lernte ich meine Frau kennen, nach einem Jahr heirateten wir und gründeten zuerst ein Feinkost- und zehn Jahre später ein Textilgeschäft.
All die Jahre hatte ich mich mit Scheiben von Lyrik beschäftigt. Der Spiegelgrund war verdrängt durch die Sorgen des Alltags. Erst durch eine Fernsehsendung, an der Dr. Heinrich Gross teilgenommen hatte, kam die ganze schreckliche Erinnerung in mir wieder hoch.
Ich nahm mir vor, ein Buch darüber zu schreiben. Die Erinnerungen veröffentlichte ich im Eigenverlag mit dem Titel "Wenn der Wind"
Bei einer Lesung in der Universität traf ich das erste Mal den Historiker Peter Malina, der sehr interessiert an meiner Geschichte war.
Kurz darauf meldete sich der Verlag für Gesellschaftskritik, um mein Buch neu aufzulegen. Über mein Interview im ORF war die Auflage ausverkauft. Mittlerweile war ich in Pension und konnte mich dem Schreiben mehr widmen. Mit einem wissenschaftlichen historischen Teil von Peter Malina habe ich noch einige Erweiterungen eingefügt und so wurde es von der Uhudla Edition abermals aufgelegt.
Das nun vorliegende Buch "Totenwagen" die letzte derzeitige Auflage, ist aus dem Mandelbaum Verlag, der auch in Zusammenarbeit mit der Theodor Kramer-Gesellschaft meinen Lyrikband "Dass ich dich finde" veröffentlicht hat.
Derzeit arbeite ich an zwei Novellen, die ich bis zum nächsten Jahr veröffenlichen möchte.
Infolge meiner Erlebnisse in der Kindheit war ich auch als Zeitzeuge tätig in Schulen und an der Wiener Universität. Ich sehe es als meine Verpflchtung an, jungen Menschen die Grauen eines totalitären Regimes vor Augen zu führen und sie damit davor zu bewahren.
Noch mehr wissenswertes
- Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien, März 2006
- Mitglied der Theodor-Kramer-Gesellschaft
- interviewt von der Survivors of the Shoah Visual History Foundation, siehe Dankesschreiben.